SNF-Förderprofessor für Geschichte mit Schwerpunkt Neueste Zeit an der Universität Luzern
Daniel Speich Chassé wurde 1969 in Kibuye, Rwanda, geboren und ist in der Schweiz und in Kenya aufgewachsen. Er hat an der Universität Zürich Geschichte, Philosophie und Ethnologie studiert. Ab 1997 arbeitete er am Institut für Geschichte der ETH. 2003 erhielt er einen Ruf als Juniorprofessor für Neuere Geschichte an die TU-Braunschweig (abgelehnt). Das Jahr 2007 verbrachte er als Visiting Scholar am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Im akademischen Jahr 2008/09 war er Fellow am insitut d´études avancées (IEA) in Nantes und Gastprofessor an der Université de Nantes, Frankreich. Ab September 2011 ist er SNF-Förderprofessor an der Universität Luzern.
Makroökonomisches Wissen und internationale Organisation
Die Forschung der SNF-Förderungsprofessur rekonstruiert unter dem Titel „Makroökonomische Expertise und internationale Organisation. Generalisiertes Wissen in den Beziehungen zwischen Europa und Afrika (1940er- bis 1960er Jahre)“ eine verflochtene Geschichte von Europa und Afrika im Zeitalter der Dekolonisation. Als Beobachtungsebene dient die Welt der internationalen Organisationen, die nach 1945 eine enorme Verdichtung erfuhr. Dabei trat als Orientierungswissen neben den juristischen Diskurs vermehrt die Makroökonomie. Aus den Archivbeständen verschiedener europäischer und afrikanischer Organisationen, etwa der UNO-Regionalkommission für Afrika, der Organisation Afrikanischer Einheit, der OEEC bzw. der OECD und der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, werden Studien zum Konfliktverhalten und zu Kommunikationsprozessen zwischen europäischen Nationalstaaten und neuen afrikanischen Akteuren erarbeitet. Wir überprüfen empirisch, inwiefern nach 1945 eine neue, supranationale Handlungsebene entstand, die als eine „Global Community“ beschrieben worden ist. Und wir gehen deren Rückwirkungen auf nationale und lokale Handlungsebenen in Afrika und in Europa nach.
Bisherige Forschungen
Die Dissertation („Helvetische Meliorationen“, Zürich 2003) befasste sich am Beispiel der Linthkorrektion mit dem Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse zur Natur in der Sattelzeit. Zeitgleich erarbeitete ich in dem Buch „Topografien der Nation“ (Zürich 2002, mit D. Gugerli) eine neue Perspektive auf die Kartografiegeschichte. Fragen der Umweltgeschichte, des Raumes und der Landschaft beschäftigen mich weiterhin. Die Monografie „Die Zukunftsmaschine“ (Zürich 2005, mit D. Gugerli und P. Kupper; engl. Übersetzung 2010) untersuchte anhand der ETH Zürich das Zusammenspiel von Wissenschaft, Wissenschaftspolitik und gesellschaftlichem Wandel in der Schweiz von 1855 bis 2005. In diesem Projekt bearbeitete ich das 20. Jahrhundert vom Ersten Weltkrieg bis zur 1968er-Bewegung und zur Krise der 1970er-Jahre.
Seit 2006 befasse ich mich in einer wissensgeschichtlichen Perspektive mit der internationalen Politik. Meine Habilitationsschrift („Elend in Zahlen“) untersucht die parallele Entfaltung der Makroökonomie und der globalen Entwicklungspolitik in der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Publikationen
Die im Portable Document Format (PDF) erhältlichen Dokumente sind mit dem kostenfreien Adobe Acrobat Reader lesbar. Bitte nur nach der im Druck erscheinenden oder erschienenen Version zitieren!