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Interferenzen 6
Daniel Speich 2003:
Helvetische Meliorationen. Die Neuordnung der gesellschaftlichen
Naturverhältnisse an der Linth (17831823), Interferenzen
Studien zur Kulturgeschichte der Technik Band 6, Zürich:
Chronos. 320 Seiten,
20 Abb., ISBN 3-0340-0664-0, CHF 48.00 / EUR 32.00
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Das Buch ist hier elektronisch verfügbar
Rezensionen
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Mit kulturtechnischen Eingriffen sind die Landschaften Europas
in der Moderne völlig umgestaltet worden. Am Beispiel eines
frühen Wasserbaus bestimmt der Autor die soziotechnischen Bedingungen
dieses tief greifenden Wandels. Dabei dient der Begriff der «helvetischen
Meliorationen» als Klammer, um Fragen der Umweltgeschichte
mit der Gesellschaftsgeschichte und der politischen Geschichte zu
verbinden.
Gegenstand der Untersuchung ist die Begradigung der Linth, die seit
1783 zur Debatte stand und während der Mediationszeit in Angriff
genommen wurde. In diesem hydrotechnischen Projekt materialisierte
sich die gesellschaftstragende Utopie des anbrechenden bürgerlichen
Zeitalters auf exemplarische Weise. «Die weite, vier Stunden
lange Thalebene ist zur Kultur und allgemeinen Verbesserung fähig
gemacht», hielt der Protagonist des Projekts, der revolutionäre
Zürcher Politiker, Geologe und Philanthrop Hans Konrad Escher,
1811 euphorisch fest. Die Kulturarbeit beschränkte sich nicht
auf die Trockenlegung von Sümpfen oder die Begradigung wilder
Bergbäche. Sie schloss auch die disziplinierende Erziehung
der lokalen Bevölkerung ein, und sie zielte auf eine liberale
Staatskonstruktion, die nach dem Scheitern der Helvetischen Republik
von unten aufgebaut werden sollte - gewissermassen aus dem Sumpf
des Ancien Régime heraus.
In der Praxis war die Neuordnung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse
durch die praktisch gewendete und politisierte Aufklärung mit
zahlreichen Konflikten verbunden. Die Studie beleuchtet diesen Prozess,
indem sie zunächst die frühneuzeitlichen Strategien der
Risikominimierung im Umgang mit der Natur rekonstruiert. Anschliessend
folgt sie den Exponenten der Aufklärung und der Revolution
in ihrem Versuch, die Natur als politischen Kampfbegriff zu mobilisieren,
und blickt dann auf die Stabilisierungsbemühungen liberaler
Technokraten im anbrechenden 19. Jahrhundert. Mit dem erfolgreichen
Abschluss der Linthkorrektion wurde ein paradigmatischer Fall des
modernen Naturverhältnisses geschaffen, der sowohl auf der
Ebene der nationalen Identitätskonstruktion als auch in staatsrechtlicher
und in hydrotechnischer Hinsicht bis ins 20. Jahrhundert ausstrahlte.
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