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Am Übergang
Barrierenwärterinnen bei den SBB in den 50er- und 60-Jahren
Marguérite Bos
Der Bahnübergang und die dort arbeitenden Frauen erscheinen
im gesamten System Eisenbahn häufig nur am Rande.
Diese Wahrnehmung mit all ihren Implikationen nehme ich als Ausgangspunkt
für meine Lizentiatsarbeit. Durch die Erforschung des Mikrokosmos
Bahnübergang und dessen Einbettung in sein Umfeld
möchte ich zu Einsichten über Muster und Bilder gelangen,
die sich an diesem speziellen Ort manifestieren. Diese können
sich für das Verständnis von Geschlecht und Technik (und
deren Verbindung) innerhalb des Systems Eisenbahn -
aber auch darüber hinaus - als prägend erweisen.
Ich verstehe den Bahnübergang als Ort, der durch seine Funktion
gleichzeitig als Grenze und als Übergang wahrgenommen wird.
Diese Wahrnehmung kann meines Erachtens auch auf die Position der
dort postierten Wärterinnen übertragen werden. Bahnübergang
wie Bahnwärterin finden sich dadurch in einem Spannungsfeld
wieder. Die 50er- und 60er-Jahre sind dabei eine Umbruchszeit, in
der richtungsweisende Veränderungen sowohl für den Ort
Barriere als auch für die dort arbeitenden Frauen konstatiert
werden können.
Grundlegend für meine Arbeit sind dabei die folgenden drei
Thesen:
- Grenze - Übergang (Ort und Mensch): Die Barrierenwärterin
steht am Bahnübergang im wahrsten Sinne im Grenzland. Es
manifestiert sich ein Ort, der aber nicht nur trennend wirkt.
Scheinbar festgeschriebene Dichotomien (z. B. öffentlich
- privat; Mensch - Maschine; Modernität - Vergangenheit)
werden hier durchlässig, Zuschreibungen erweisen sich als
nicht eindeutig.
- Spannungsfeld (Umfeld): An der Barriere wird in Frage gestellt.
Geschlechtsidentitäten, Technikverständnis, Gesellschaftsorganisation,
Machtverhältnisse, Fortschrittsgedanken, Wertzuschreibungen,
Verkehrsorganisation werden als veränderbar wahrgenommen
und sind (neuen) Verhandlungen ausgesetzt. Davon ist auch die
Gestaltung des Ortes Barriere beeinflusst.
- Umbruchszeit (Entwicklung): Die Barrierenwärterin und ihre
Barriere werden als Risiko empfunden. In den 50er- und 60er-Jahren
erfordert die Verkehrsentwicklung neue Umgangsweisen mit dem Ort
Barriere und zieht Veränderungen für die Barrierenwärterinnen
nach sich. Die von einer Wärterin bediente Barriere wird
zunehmend als Auslaufmodell betrachtet. Es werden andere Möglichkeiten
für die Gestaltung dieses Grenzortes gesucht.
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