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Bodywear
Kleider- und Körpermodellierungen in der schweizerischen Trikotindustrie, 1870-2000
Monika Burri
Zentraler Untersuchungsgegenstand des Forschungsprojekts ist
die Entwicklung der schweizerischen Wäscheindustrie im 20.
Jahrhundert. Von den wärmenden Leibchen und Korsettüberzieher
(„cachecorsets“) der Jahrhundertwende über die
funktionalen Miederwaren der 1950er-Jahre bis hin zum heutigen
laufend sich verändernden Angebot stylingrelevanter Bodywear
zeigen sich markante Veränderungen bei der Materialverwendung
und Formgebung, in Produktion und Vermarktung, die sich mit den
Stichworten „Technisierung“ und „Customizing“ etikettieren
liessen. Versteht man die Körperwäsche zudem als zentrales
Mittel der Körpermodellierung und als Kommunikationsgrundlage
für die Konstituierung von Identität und Geschlecht,
so haben sich auch in dieser Hinsicht die Parameter im Verlauf
des 20. Jahrhunderts paradigmatisch verschoben: Während sich
die Miederwaren der ersten Jahrhunderthälfte wie Panzer um
den Körper legten, erscheint die textile Körpermodellierung
seit den 1970er-Jahren als Teil eines aufwändigen Sets aus
Fitness-, Ernährungs- und Stylingpraktiken, als von verschiedenen
Medien popularisierte Form der Körperkontrolle, welche ein
neuartiges, symbiotisches Zusammenspiel von Körper und Wäsche
erzeugen. Der gestylte und gebuildete Body des ausgehenden 20.
Jahrhunderts verhüllt die Wäsche nicht mehr: Er stellt
sie zur Schau und bringt sich zur Geltung.
Die Frage nach der Genese des „second skin“-Konzepts
als Leitvision heutiger Bodywear scheint ein geeignetes Analyseraster
zu bieten, um die beobachteten Veränderungen im Wäschesektor
zu befragen und gleichzeitig die breite Quellenlage zu bündeln.
Um die komplexe, die diskursiven und technischen Herstellungsbedingungen
wie auch die Konsum- und Selbstpraktiken umfassende Entwicklung
der Körperwäsche vom schützenden Panzer hin zur
technisch erzeugten zweiten Haut und das damit verbundene Verhältnis
von Textilgestaltung und Körpermanagement verstehen zu können,
müssen die Verschiebungen in den Diskursformationen und Handlungsräumen
bestimmt werden. Die Forschungsarbeit geht in einer Arbeitshypothese
davon aus, dass sich wesentliche Transformationen und Umdefinierungen
in den semiotischen, praxeologischen und schliesslich auch performativen
Möglichkeitsräumen von Bodywear am Beispiel zweier grosser
technischer Entwicklungsschübe aufzeigen lassen – erstens
im Siegeszug der Kunstfasern mit ihrer glanzvollen Herstellung
von Elastizität und Passgenauigkeit mittels Elasthanen seit
den 1940er-Jahren sowie zweitens in der Renaturierung von Körperwäsche,
der kleidsamen Herstellung von Atmungsaktivität mittels Funktionstextilien
seit den 1970er-Jahren.
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