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ETH Technikgeschichte - Forschung

„Wo bist du?“
Raum – Mobilität – Telekommunikation

Regine Buschauer

Die Frage „Wo bist du?“, stereotyp gestellt in mobilen Telefongesprächen, steht im Rahmen dieses Dissertationsprojekts paradigmatisch für die Frage nach dem Verhältnis zwischen Raum, Mobilität und Medien der (Tele-) Kommunikation. Mit dem Neuen eines Mediums wie z.B. der Mobiltelefonie, so die Ausgangsthese, stellen sich Fragen nach dem „Wo“, nach räumlicher Präsenz und nach räumlicher Ordnung auf eine spezifische Weise. Veränderte mediale Konfigurationen implizieren veränderte Wahrnehmungen und Vorstellungen von An- und Abwesenheit, von Nähe und Distanz, „hier“ und „dort“. Das rückt das Problem der medialen Nähe-Ferne Relation in den Vordergrund und mithin das Verhältnis zwischen Raum und Medien überhaupt.

Die Arbeit geht Aspekten dieses Verhältnisses aus medien- und technikgeschichtlicher, diskursanalytischer und medientheoretischer Sicht nach. Dabei gilt das Interesse zum einen einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Topos der Raumüberwindung oder –vernichtung durch mediale Techniken bzw. einer Substitution von Raum etwa durch die „elektronischen Räume“ des Internet. Im Vordergrund der Arbeit steht hier eine Analyse der historischen und diskursiven Zusammenhänge, in denen sich dieser Topos je manifestiert und des Verständnisses von „Raum“, das er transportiert.

Zum anderen untersucht die Arbeit – selektiv – bestimmte medien- bzw. technikhistorische Konstellationen des Verhältnisses von Medien und Räumlichkeit bzw. Umbrüche dieser Konstellationen (verbunden etwa im 19. Jh. mit der „Communications-“ Technik der Eisenbahn und mit der Telegraphie). Im Vordergrund steht aus dieser Sicht die Analyse von medialen Techniken als Momente diskursiver „Gemengelagen“, in denen Beziehungen zwischen medialen Zäsuren, Konzeptionen des Räumlichen und Formen der Mobilität greifbar werden. Die in der Arbeit berücksichtigten Medien der (Tele-) Kommunikation werden in dieser Weise nicht isoliert – etwa als blosse Mittel der Distanzüberwindung – betrachtet, sondern als Teile von diskursiven Verhältnissen, die der Frage nach dem „Wo“ erst ihre je spezifische Bedeutung verleihen.

Grundlegend für diese Perspektiven ist ein Verständnis, das „Raum“ nicht als eine statische Kategorie voraussetzt, sondern, ausgehend von der faktischen Pluralität und Heterogenität historischer und disziplinärer Raumvorstellungen und -begriffe, selbst als Gegenstand historischer und medientheoretischer Fragestellungen adressiert. In dieser Hinsicht lässt sich das Dissertationsprojekt in die zurzeit feststellbare Tendenz innerhalb kultur- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Raum bzw. zu einem „topographical turn“ einordnen.

Regine Buschauer studierte Germanistik, Geschichte und Soziologie in Basel. Seit mehreren Jahren ist sie als Projektleiterin bei Swisscom Innovations, Bern, tätig. 2002 Aufnahme des Dissertationsprojekts am Institut für Medienwissenschaften i/f/m der Universität Basel. Interessenschwerpunkte ihrer Arbeit sind medien- und sozial­wissenschaftliche Aspekte von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Fragen der Medien-, Technik- und Kulturgeschichte.
Ihre Dissertationsprojekt wird von Prof. Tholen (Universität Basel) und von Prof. David Gugerli (ETH Zürich) betreut.



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Letzte Änderung: 20-04-2007