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ETH Technikgeschichte - Forschung
Der "digitalisierte" Soldat. Eine Figur an der Front informationeller Ordnung

Stefan Kaufmann*

Gegenwärtig vollziehen allen voran die amerikanischen Streitkräfte eine Transformation in Kriegskonzeptionen und Militärorganisation, die Information als zentrale Ressource der Kriegführung und einen informationstechnisch induzierten Begriff des Netzwerks als Schlüssel der Umstrukturierungen definiert.
Ihren radikalsten Ausdruck findet diese Transformation im Projekt des neuen Infanteristen. Tragbare Computer, permanente Funkverbindungen, Monoculardisplays und andere technische Komponenten sollen mit dem Soldaten zu einem integralen Kampfsystem verbunden werden. Der als soziotechnisches Netzwerk entworfene Fußsoldat lässt sich in eine Reihe gesellschaftsdiagnostisch triftiger Figuren stellen, die grundlegende, als selbstverständlich wahrgenommene Trennungen unterlaufen: Anthropologisch die zwischen Humanem und Technischem, zwischen biologischem Organismus und kybernetischen Mechanismen, die in einer ganzheitlich konzipierten Waffe aufgehen; ontologisch die zwischen Realem und Virtuellem, wenn Telekommunikation, materiale Objekte, errechnete Lagebilder und konkrete Kampfhandlungen zu einem Raum, dem Schlachtfeld, verschmelzen; politisch die zwischen Militärischem und Zivilen, wenn Krieg und Unterhaltung, Soldatentypen und Film, Simulationsprogramme und Videospiele auf der Ebene fiktionaler Entwürfe wie technischer Implementierungen rekursiv vernetzt werden.
Das Forschungsprojekt unternimmt es, diese drei Felder - in denen es um (nicht nur soldatische) Subjektkonstitutionen, um technisch-mediale Wirklichkeitskonstruktionen und um die politisch-kulturelle Formung des Krieges geht - genealogisch und in ihrer aktuellen Virulenz zu entfalten. An einem ihrer exemplarischen Projekte, dem "digitalen Soldaten", werden zentrale Effekte gegenwärtiger Information herausgearbeitet.



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Letzte Änderung: 1-12-2005