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20 Fuß Äquivalent
Einheit
Die Herrschaft der Containerisierung
Alexander Klose
Der Container gehört als „Leitmedium“ der Globalisierung
zu den wichtigsten Gegenständen unserer Zeit. Computernetzwerke
und Telekommunikationsmedien bilden nur die eine Seite des Welt
weiten Zusammenwachsens von Märkten und Kulturräumen;
das Warendistributionssystem des Containers bildet die andere.
Mit der „Containerisierung“, d.h. der Einordnung des
gesamten Bereichs des Warentransports unter das Regime der „Transportlogistik“ wurde
ein neuer Idealismus wirksam, der nicht mehr konkrete Dinge handhabt
und mit materiellen Größen rechnet, sondern abstrakte
Organisationseinheiten und Relationen – Meta-Codierungen – operiert.
Funktionale Beschreibungen des Containersystems haben, wie historische
Darstellungen seiner Entstehung, eine Tendenz zu logizistischen
und teleologischen Erklärungen, die dessen Materialität
ebenso wie seine Widersprüche und Inkonsistenzen nivellieren.
Deshalb soll es in dieser Arbeit zunächst darum gehen, den
Schwerpunkt auf Brüche und „Fehlentwicklungen“, Überschneidungen
und Interrelationen zu legen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei
der Koevolution der beiden Großsysteme Container und Computer
und der Frage nach ihren Analogien und wechselseitigen Abgängigkeiten.
Zweitens stellt sich die Frage nach den konzeptuellen Voraussetzungen
und den Folgen der Containerisierung: Serialisierung, Modularisierung,
Digitalisierung und Standardisierung sind nicht nur für die
Funktionsweise des Containersystems wesentliche Vorgänge.
Diese Organisationsprinzipien scheinen vielmehr eine Grundlage
der technischen Moderne des 20. Jahrhunderts überhaupt zu
bilden und lassen sich in zahlreichen Dispositiven auffinden, vom
Strukturalismus in den Sozial- und Sprachwissenschaften bis hin
zu modularen Modellen in der betrieblichen Organisation der Gegenwart. „Containerisierung“,
so scheint es, findet auf allen Ebenen statt. Die Reorganisation
des modernen Warentransportverkehrs in den ersten Jahrzehnten des
20. Jahrhunderts setzte also eine neue Formation des Wissens voraus,
die das Organisationsdenken des Transports verbindet mit dem der
Produktion, der Bürokratie, der Wissenschaften oder der Architektur.
Diese neue Episteme lässt sich, so meine Ausgangshypothese,
als eine Episteme der Logistik beschreiben.
Die Rede von einer logistischen Fundierung unserer Zeit und vom
Container als deren Leitmedium eröffnet eine kulturwissenschaftliche
Perspektive. Welche Auswirkungen hat die neue Codierung des Transports
durch den Container? Wie verändert sich der Status von Dingen
und Menschen, wenn sie (beinahe) unterschiedslos „immer schon“ aus
dem Container kommen und in den Container hineingehen? Wie verändert
sich das Verhältnis zu Raum und Zeit in einem universellen
Regime getakteter Containersysteme? In welcher Beziehung steht
Containerisierung zu den großen gouvernmentalen Entwicklungen
des 20. Jahrhunderts, zu den Neuformulierungen des Verhältnisses
zwischen Staat und Bürger, zwischen Gruppen und Individuen?
Wo sind die Lücken, Schlupflöcher oder Fluchtlinien dieser
Logistik? Ist z.B. der berühmte Prozess der „Glokalisierung“ als
einer Art lokaler Widerständigkeit gegen die gleichrichtende
Dynamik globaler Güterdistribution als auch Widerständigkeit
gegen die Logik(en) der Containerisierung zu begreifen?
In dem Versuch, über den Container und den Prozess der Containerisierung
Entwicklungen zu begreifen, die heute häufig unter dem Begriff
Globalisierung zusammengefasst werden, wechselt diese Arbeit beständig
zwischen verschiedenen Auffassungen ihres Gegenstandes und methodischen
Zugriffen hin und her. Um zu verhindern, dass sich im Zuge der
Konzeptualisierungen der Container völlig entmaterialisiert
und zur bloßen Metapher verflüchtigt, soll der materielle
Gegenstand standardisierter Schiffscontainer nie aus den Augen
verloren werden – jeder Gedankengang muss sozusagen im ISO-Container
beginnen und dorthin auch wieder zurückkehren.
Das Projekt wird an der Bauhaus-Universität in Weimer im
Graduiertenkolleg „Mediale
Historiographien“ durchgeführt
und von Prof. Bernhard Siegert und Prof. David Gugerli betreut.
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