Atomenergie und gespaltene Gesellschaft
Die Geschichte des gescheiterten Projektes Kernkraftwerk Kaiseraugst,
Diss.: Zürich 2002.
Erscheint Frühling 2003 im Chronos Verlag.
Patrick Kupper
In der Gemeinde Kaiseraugst plante ein von der Motor-Columbus angeführtes,
schweizerisch-französisch-deutsches Konsortium von 1965 bis
1989 den Bau eines Kernkraftwerkes. Schon die Planungsdauer macht
deutlich, dass "Kaiseraugst" die üblichen Dimensionen
eines technischen Projektes bei weitem sprengte. Neben seiner Karriere
als elektrotechnisches Infrastrukturprojekt durchlief "Kaiseraugst"
eine zweite Karriere als Projektionsfläche und Verhandlungsraum
für unterschiedlichste Vorstellungen gesellschaftlicher Entwicklung.
Die beiden Karrieren entwickelten sich seltsam unterschiedlich.
Auf der einen Seite machte das Projekt Jahrzehnte ungestümer
Fortschritte in der Atomkraftwerkstechnologie mit. Auf der anderen
Seite erlebte es den dramatischen Akzeptanzverlust dieser Technologie
in der Gesellschaft. Nachdem die Atomkraftwerkspläne Mitte
der 1960er Jahre allseits begrüsst worden waren, entwickelte
sich das Vorhaben im folgenden Jahrzehnt zu einem politischen Streitgegenstand
ersten Ranges. Anstatt Atomkerne begann das Projekt die schweizerische
Gesellschaft zu spalten.
Neben Bundesakten wertet die Studie erstmals die Bestände
der verhinderten Bauherrin, der Kernkraftwerk Kaiseraugst AG, aus.
Sie stellt die unterschiedlichen Akteure, ihre Allianzen und Interessen
detailliert dar, analysiert die Mechanismen des wirtschaftlichen
und des politischen Systems und diskutiert die Grundlagen gesellschaftlicher
Machtausübung. Die Studie fragt nicht nur, warum das KKW Kaiseraugst
nicht realisiert wurde. Sie interessiert sich auch, wie es kommen
konnte, dass in Kaiseraugst Grundwerte der schweizerischen Gesellschaft
wie Demokratie, Rechtsstaat und Föderalismus, Wirtschaftsordnung,
technischer Fortschritt und Umweltschutz zur Debatte gestellt wurden.
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