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Technisierung
des Gutsbetriebs „Schloss Gündelhart“
Andreas Nef
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts begann die Landwirtschaft Kurs
auf die moderne Agronomie zu nehmen, als deren Eigenschaften zwei
hervorgehoben werden sollen. Einerseits entwickelte sich ein Miteinbezug
und Einfluss der Maschinentechnik. Diese war um den Jahrhundertwechsel
besonders durch die neuen Krafterzeugungsmöglichkeiten mit
Verbrennungs- oder Elektromotoren geprägt. Die für Fabriken
bereits existentiell bedeutende Maschinentechnik sollte Kompatibilität
mit der landwirtschaftlichen Praxis erhalten. Andererseits lässt
sich die moderne Agrarwirtschaft auch durch die Anwendung und
eigene
Förderung naturwissen-schaftlicher Forschung charakterisieren.
Aus diesem Blickwinkel kann man die Gründung der an das Eidgenössische
Polytechnikum angeschlossenen Landwirtschaftlichen Abteilung
im
Jahr 1871 als institutionellen Kulminationspunkt bezeichnen. Der
Bedarf an breiteren und vertieften Kenntnissen in der Landwirtschaft
war erkannt sowie dessen Stillung in Angriff genommen worden. Mit
dem Lehrangebot und der Forschung in Gebieten wie der Chemie,
der
Biologie und der Ökonomie sollte der moderne Landwirt angemessene
theoretische Grundlagen erhalten. Der breit abgestützte Einsatz
technischer und naturwissenschaftlicher Entwicklungen setzte
voraus,
dass zuvor in kleineren Umfeldern Erfahrungen gesammelt werden
konnten. Nicht nur die Landwirte standen vor einer Herausforderung,
auch
die Maschinenkonstrukteure und Naturwissenschaftler betraten Neuland.
Das in Privatbesitz befindliche landwirtschaftliche Gut "Schloss
Gündelhart" auf dem Seerücken zwischen Frauenfeld
und Steckborn bot gute Voraussetzungen, um sich früh mit
neuem technischem und naturwissenschaftlichem Know-how zu befassen.
Der
Betrieb war mit ca. 70 ha kaum parzelliertem Land flächenmässig
einer der grössten im Thurgau. Er wechselte 1900 die Hand
und stand vor einem Neuanfang. Der neue Besitzer, Louis Engeler,
war
einer der ersten Absolventen der Landwirtschaftlichen Abteilung
des Eidg. Polytechnikums in Zürich und verfügte über
fundierte Kenntnisse in moderner Agronomie. Sein
Engagement
im dörflichen
Umfeld wie auch in der kantonalen Politik trug dazu bei, über
den eigenen Betrieb hinaus an Vermittlung und Transfer von Wissen
und Meinung mitzuwirken und teilzunehmen.
Grundlage der geplanten Arbeit bildet das Archivmaterial des Familienbetriebs
von der Gutübernahme bis in die dreissiger Jahre. Es soll
dazu verwendet werden, die unterschiedlichen Bereiche und deren
Einflüsse
darzustellen, die bei der Technisierung eines landwirt-schaftlichen
Betriebs zusammenwirken. Insbesondere interessiert, auf welchen
Kanälen neue Entwicklungen technischer und wissenschaftlicher
Art während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in
die Landwirtschaft eingeführt wurden und Eingang erhalten
hatten. |