Innovationsprozesse und institutioneller
Wandel in öffentlichen Unternehmen in der Schweiz: das Beispiel
der PTT und der SBB (1970 - 2000)
Jakob Tanner, David
Gugerli, Philipp
Ischer, Gisela Hürlimann
Technische und betriebsorganisatorische Neuerungen und die Liberalisierung
weltweiter Finanztransaktionen lösten seit den 1970er Jahren
einen Globalisierungsschub aus, der bis heute anhält. Dies
bedeutete in allen Industrieländern eine Herausforderung für
den Nationalstaat und setzte den öffentlichen Sektor mit seinen
Monopolunternehmen einem zunehmenden Privatisierungsdruck aus. Die
politischen Debatten im Zeichen von Liberalisierung, Deregulierung
und Privatisierung hatten dabei - sowohl in der Schweiz wie auch
im internationalen Vergleich - ganz unterschiedliche Auswirkungen.
Das vorliegende Forschungsprojekt konzentriert sich auf die historisch-komparative
Analyse zweier wichtiger öffentlicher Unternehmen der Schweiz,
die PTT und die SBB. Dabei wird ein unternehmens- und technikgeschichtlicher
Ansatz gewählt, der es ermöglicht, die Pfadabhängigkeit
der Unternehmensentwicklung aufzuzeigen. Die Fokussierung auf jene
Faktoren und Interaktionsprozesse, aus denen unternehmerische Dynamik
und Innovationsprozesse resultieren, verspricht neue Erkenntnisse
in einem Bereich, in dem bisher die Erforschung unternehmenspolitischer
Leitbilder und institutioneller Rahmenbedingungen sowie organisierter
Interessen und politischer Konflikte dominierte.
Wird Technik als ein soziotechnisches Netzwerk begriffen, so kann
sie in eine institutionenökonomische Perspektive einfügt
werden. Es zeigt sich, dass Technik nicht nur ein zentraler Faktor
unternehmerischer Produktivitätssteigerungsstrategien ist,
sondern zugleich ein die Handlungsspielräume von Akteuren einschränkendes
Regelwerk oder Normensystem darstellt. Diese Sichtweise ermöglicht
es, die Frage nach Auslösung und Verlaufsmustern wissenschaftlich-technischer
und betriebsorganisatorischer Transformations- und Innovationsprozesse
neu zu stellen. Dabei interessieren einerseits die vielfältigen
Wechselwirkungen zwischen Institutionendesign, Organisationsstruktur
und Innovationsdynamik im öffentlichen Sektor im Verlauf der
letzten dreissig Jahre. Andererseits werden das Bargaining und die
Entscheidungsvorgänge innerhalb der Unternehmen analysiert.
Hier geht es um die Untersuchung der selektiven Wahrnehmung innerhalb
des Möglichkeitsraums technischer Entwicklungen und um die
Aushandlung von Lösungen, die eine bestimmte Zukunftsoption
realisieren.
Werden die Fragen so gestellt, so zeigt sich, dass hier eine Forschungslücke
vorliegt, die in deutlichem Kontrast steht sowohl zur Quellenlage,
die eine intensive Bearbeitung der angesprochenen Themenbereiche
zulässt, als auch zur politischen und öffentlichen Relevanz
des Themas 'secteur public' bzw. service public'. Das Forschungsprojekt
ist auf eine enge Zusammenarbeit zwischen der Forschungsstelle für
schweizerische Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Universität
Zürich) und der Professur für Technikgeschichte am Institut
für Geschichte (ETH Zürich) hin angelegt.
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