Personal und Computer
Automation des
Postcheckdienstes mit Computer, ein Projekt der PTT 1964–1975
Daniela Zetti
Computergeschichten gehen meistens gut aus. Noch während
sie sich mit Grossrechenanlagen und Magnetbändern aufhalten,
zeichnet sich am Horizont bereits ein Silberstreif ab. Er weist
den erzählerischen Weg hinaus aus den unwirtlichen und
menschenleeren Rechenzentren der grauen Vorzeit. Dieser Weg
führt hinein in die bevölkerten Büros und zu
den Schreibtischen, an denen Angestellte sitzen. Neben jeden
Computer gesellt sich nun ein Mensch. Bis der „Personal
Computer“ sie schliesslich und endlich vereint, bleiben
Personal und Computer strikt getrennt. Das Personal hat erst
in dieser Vereinigung seinen Auftritt. Jedem sein eigener kleiner
PC, so lautet das wohlmeinende Motto. In diesem Happy End stützen
sich Personal und Computer sowie wirtschaftlicher Erfolg und
gesellschaftlicher Fortschritt gegenseitig.
Auch im Projekt
zur „Automation des Postcheckdienstes
mit Computer“ (APOCO) kam das Personal Anfang der 1990er-Jahre
an die Computer. Ich will allerdings in der grauen Vorzeit
der grossen Rechner nach dem Personal des Computers suchen.
Denn ob unangemeldet oder auf Einladung hin: viele machten
sich über Computer Gedanken. Der Silberstreif aber, den
wir heute sehen, war damals noch nicht verfügbar. Der
Untersuchungszeitraum 1964–1975 markiert einen Zeitraum,
in dem man einzusehen hatte, dass Computergeschichten niemals
enden. In einer Projektkrise zu Beginn der 1970er-Jahre kamen
alte Visionen abhanden. Poco a poco, Schritt für Schritt
wollte man sich damals in eine computerisierte Zukunft vorarbeiten.
Es lässt sich also Wandel beobachten, nicht aber eine
zielgerichtete Entwicklung.
Sucht man in der grauen Vorzeit
der Computer nach Personal, so fördert man nicht nur Personal
zutage. Man findet auch hier Verheissungen. Ähnlich wie
heute PCs, waren damals Grossrechenanlagen mit verschiedenen
sozialen, politischen
und wirtschaftlichen Implikationen versehen. Ähnlich wie
heute wurde in solche Verbindungen Arbeit und Energie gesteckt.
Wie wurden Grossrechner rekrutiert und Angestellte programmiert,
wie wurden sie beide in Arbeitsabläufe eingebaut? Wie
wurden sie in Beziehungen gesetzt sowohl zu Maschinen als auch
zu menschlichen Arbeitskolleginnen und -kollegen? So lässt
sich ein Wandel beobachten, in dem Visionen zwar zeitweilig
abhanden kamen, aber immer wieder zu aktualisieren und rekombinieren
waren. Die graue Vorgeschichte von den Beziehungen zwischen
Computer und Personal ist gerade ohne Happy End gut.
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