David Gugerli
Technikgeschichte II: |
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Vorlesung und Kolloquium |
Technikgenese
Flügeltelegraph
Galvani,
Volta, Oersted etc.
Physiologische
Telegraphie
Cook und Weatstone 1837
Samuel F.B. Morse / Alfred
Vail
Erhöhung
des Datendurchsatzes
Militärisch-politische
Vitalfunktionen
Der
telegraphische (Staats-)Körper
Beschleunigungen
Nationalstaat
/ Weltwirtschaft
Telegraphische Machtpolitik / Telegraphische Presse
Aschoff, Volker
1987. Nachrichtentechnische Entwicklungen in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts. Berlin:
Springer
Bertho, Catherine
1981. Telegraphes & Telephones de Valmy au microprocesseur. Paris: Grasset
Beyrer, Klaus und
Birgit-Susan Mathis (Hg.) 1995. So weit das Auge reicht. Die
Geschichte der optischen Telegraphie. Frankfurt
Blondheim,
M. 1994. News over the wires. The telegraph and the flow of public
information in America, 1844-1897. Cambridge, Mass.: Harvard University
Press
Chauvin,
Franz von 1884. Organisation der elektrischen Telegraphie in
Deutschland für die Zwecke des Krieges. Berlin
Kaufmann,
Stefan 1996. Kommunikationstechnik und Kriegsführung 1815-1945.
Stufen telemedialer Rüstung. München: Wilhelm Fink Verlag
Kittler,
Friedrich 1988. Im Telegrammstil. In Hans Ulrich Gumbrecht und K. Ludwig
Pfeiffer (Hg.), Stil. Geschichten und Funktionen eines
kulturwissenschaftlichen Diskurselements. Frankfurt a. M., S.
358-370
Rammert,
Werner 1988. Technikgenese. Stand und Perspektiven der Sozialforschung
zum Entstehungszusammenhang neuer Techniken. Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie, S. 747-761
Schivelbusch,
Wolfgang 1977. Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung
von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert. München
"Es wird eine durch die Gleichzeitigkeit der Correspondenz vermittelte Gleichzeitigkeit der Action weit verstreuter Menschenmassen möglich, die unter Umständen ganz unberechenbare Folgen haben muss, die z.B. einen von einem Willen in kritischer Lage geleiteten Staatskörper wirlich zu einem Staatskörper werden lässt. Ja das telegraphische Netz in unsere Ländern zeigt hier eine Leistungsfähigkeit, welche dem Netz der Nerven in unserem Körper abgeht. (...) Die Städte, die Völker 'erleben' die Ereignisse gleichzeitig, gleich als ob eine Empfindung einen einheitlichen Körper durchzucke. Und wir wissen, Nachrichten erzählt man sich nicht blos, sie wirken auch auf Thun und Lassen der Menschen." Karl Knies, Telegraph als Verkehrsmittel, 1857, zit. nach Kaufmann 1996
"... wie der Muskel des menschlichen Körpers ohne den durchzuckenden Nerv eine leblose Fleischmasse wäre, so würden die Fliegemuskeln, welche die Erfindungen Watts und Stephensons der Menschheit verliehen haben, nur halb so schwingkräftig wirken, wenn sie der leitende Gedanke nicht, auf den Nerven der Telegraphendrähte, beherrschend durchzuckte. Max Maria von Weber 1855, zit. nach Schivelbusch 1977, 33
"Das Telegraphennetz, mit seinem länderumspannenden eisernen Maschen und Stationen, funktionirt wie das Nervensystem des menschlichen Körpers und übertrifft dieses in den Leistungen sogar an Schnelligkeit und Mannigkfaltigkeit. Wie die Empfindungsnerven die Vorgänge in den verschiedenen Körpertheilen dem Gehirn berichten und die im Gehirn konzipirten Befehle den zur Ausführung derselben bestimmten Organen mittheilen, so werden Meldungen an die Centralregierung und Befehle von dieser auf dem Telegraphennetze in kürzerer Zeit vermittelt, als die Nerven gebrauchen, um ihre Aufträge zu vollführen. Ein jeder Draht versieht die Funktionen beider Nervenarten." Franz von Chauvin, Leiter der deutschen Staatstelegraphie, 1884:20
"In gleichem Sinne wie das Rückenmark als Hauptvermittler der Nerventhätigkeit anzusehen ist, so war es im letzten Kriege mit dem bis in das Grosse Hauptquartier, dem zeitweiligen Mittelpunkte der Regierungsthätigkeit, verlängerten Staatstelegraphennetz beschaffen, und die in demselben befindlichen grossen Telegraphenstationen fungirten buchstäblich gleich den Nervenknoten beim Menschen." von Chauvin, 1884:20
"...
ohne (den Telegrafen wären) die Eisenbahnen weder an Sicherheit, noch an
Schnelligkeit, noch an intensivem Betriebe dasjenige zu leisten im Stande
(...), was sie heute leisten. Umgekehrt freilich hat der durch die Eisenbahn
vermittelte Sachgüter- und Personenverkehr das für die Masse des Volkes
vorher nicht vorhandene Bedürfnis zu telegraphiren selbst erst geweckt,
indem die so sehr beschleunigte Bewegung der Körperwelt auch eine
entsprechende Beschleunigung für die Ideenwelt nothwendig machte."
"... fires, explosions, floods, inundations, railway accidents, destructive storms, earthquakes, shipwrecks attended with loss of life, accidents to war vessels and to mail steamers, street riots of a grave character, disturbances arising from strikes, duels between, and suicides of persons of note, social or political, and murders of a sensational or atrocious character. It is requested that the bare facts be first telegraphed with the utmost promptitude, and as soon as possible afterwards a descriptive account, proportionate to the gravity of the incident. Care should, of course, be taken to follow the matter up." Memo von Paul Julius Reuter an seine Agenten 1883