David Gugerli

Technikgeschichte II:
Kommunikation

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Vorlesung und Kolloquium
SS 2000, Di 17-19, ETH HG G26.5


Elektrische Schrift I

Telegraphie und militärische Befehlsflüsse im Zeitalter der Nervosität

11. April 2000

Index zur Vorlesung

Bibliographische Hinweise

Quellenzitate

Zitat I

"Es wird eine durch die Gleichzeitigkeit der Correspondenz vermittelte Gleichzeitigkeit der Action weit verstreuter Menschenmassen möglich, die unter Umständen ganz unberechenbare Folgen haben muss, die z.B. einen von einem Willen in kritischer Lage geleiteten Staatskörper wirlich zu einem Staatskörper werden lässt. Ja das telegraphische Netz in unsere Ländern zeigt hier eine Leistungsfähigkeit, welche dem Netz der Nerven in unserem Körper abgeht. (...) Die Städte, die Völker 'erleben' die Ereignisse gleichzeitig, gleich als ob eine Empfindung einen einheitlichen Körper durchzucke. Und wir wissen, Nachrichten erzählt man sich nicht blos, sie wirken auch auf Thun und Lassen der Menschen." Karl Knies, Telegraph als Verkehrsmittel, 1857, zit. nach Kaufmann 1996

Zitat II

"... wie der Muskel des menschlichen Körpers ohne den durchzuckenden Nerv eine leblose Fleischmasse wäre, so würden die Fliegemuskeln, welche die Erfindungen Watts und Stephensons der Menschheit verliehen haben, nur halb so schwingkräftig wirken, wenn sie der leitende Gedanke nicht, auf den Nerven der Telegraphendrähte, beherrschend durchzuckte.“ Max Maria von Weber 1855, zit. nach Schivelbusch 1977, 33

Zitat III

"Das Telegraphennetz, mit seinem länderumspannenden eisernen Maschen und Stationen, funktionirt wie das Nervensystem des menschlichen Körpers und übertrifft dieses in den Leistungen sogar an Schnelligkeit und Mannigkfaltigkeit. Wie die Empfindungsnerven die Vorgänge in den verschiedenen Körpertheilen dem Gehirn berichten und die im Gehirn konzipirten Befehle den zur Ausführung derselben bestimmten Organen mittheilen, so werden Meldungen an die Centralregierung und Befehle von dieser auf dem Telegraphennetze in kürzerer Zeit vermittelt, als die Nerven gebrauchen, um ihre Aufträge zu vollführen. Ein jeder Draht versieht die Funktionen beider Nervenarten." Franz von Chauvin, Leiter der deutschen Staatstelegraphie, 1884:20

Zitat IV

"In gleichem Sinne wie das Rückenmark als Hauptvermittler der Nerventhätigkeit anzusehen ist, so war es im letzten Kriege mit dem bis in das Grosse Hauptquartier, dem zeitweiligen Mittelpunkte der Regierungsthätigkeit, verlängerten Staatstelegraphennetz beschaffen, und die in demselben befindlichen grossen Telegraphenstationen fungirten buchstäblich gleich den Nervenknoten beim Menschen." von Chauvin, 1884:20

Zitat V

"... ohne (den Telegrafen wären) die Eisenbahnen weder an Sicherheit, noch an Schnelligkeit, noch an intensivem Betriebe dasjenige zu leisten im Stande (...), was sie heute leisten. Umgekehrt freilich hat der durch die Eisenbahn vermittelte Sachgüter- und Personenverkehr das für die Masse des Volkes vorher nicht vorhandene Bedürfnis zu telegraphiren selbst erst geweckt, indem die so sehr beschleunigte Bewegung der Körperwelt auch eine entsprechende Beschleunigung für die Ideenwelt nothwendig machte." Gustav Schöttle, Würtembergische Generaldirektion der Post und Telegrafie 1883, 4

Zitat VI

"... fires, explosions, floods, inundations, railway accidents, destructive storms, earthquakes, shipwrecks attended with loss of life, accidents to war vessels and to mail steamers, street riots of a grave character, disturbances arising from strikes, duels between, and suicides of persons of note, social or political, and murders of a sensational or atrocious character. It is requested that the bare facts be first telegraphed with the utmost promptitude, and as soon as possible afterwards a descriptive account, proportionate to the gravity of the incident. Care should, of course, be taken to follow the matter up."  Memo von Paul Julius Reuter an seine Agenten 1883


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